Der Herbst war heiß. Die Bildungsproteste erreichten einen unerwarteten Höhepunkt und zwangen Politik und Hochschulen, auf die studentische Kritik zu reagieren. Abgesehen von Versprechen ist bisher jedoch wenig passiert. Die Grüne Hochschulgruppe wird sich weiter dafür einsetzen, dass die Ziele des Bildungsstreiks an der Ruhr-Universität Gehör finden!
Die Bewegung des bundesweiten Bildungsstreiks hat gezeigt, was die KritikerInnen des deutschen Bildungssystems schon seit langer Zeit wussten: Das Bildungssystem in der BRD ist sozial ungerecht und niemand kann die Studienreform namens Bologna mehr als Erfolg bezeichnen. Auch an der Ruhr-Universität Bochum haben Aktivitäten zum Bildungsstreik stattgefunden. Das HZO 10 und das Audimax wurden besetzt, mehrere spontane Demonstrationen äußerten den Unmut über die Missstände an der RUB und die Studierenden suchten den Dialog mit der Hochschulleitung. Als Grüne Hochschulgruppe (GHG) haben wir uns an den Protesten beteiligt und versucht, den studentischen Forderungen Nachdruck zu geben.
„Privat vor Staat“? Nein danke!
Die im Laufe der Proteste vorgetragenen Kritikpunkte sind eng verwandt mit den Entwicklungen der Hochschulpolitik der letzten Jahre. Zum einen ist es die neoliberale Ideologie der amtierenden Landesregierung, die zu einer Entdemokratisierung der universitären Selbstverwaltung sowie zu Studiengebühren geführt hat. Zum anderen ist es der europäische Bologna-Prozess, der die Einführung der Bachelor-/Master-Studiengänge fordert. Anstatt die Forderungen und Kritikpunkte der Studierenden an der RUB gegenüber der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der nordrheinwestfälischen Landesregierung glaubhaft zu vertreten, setzt die Leitung der Ruhr-Uni auf Anbiederung. Dafür ist man im Einschreiten gegenüber den Protestierenden umso vehementer, räumt das besetzte Audimax und setzt auf die Unterstützung der Landespolizei, wenn Wissenschaftsminister Pinkwart mal wieder vorbeischaut.
Rektorat nicht gesprächsbereit
Bereits vor Beginn des Bildungsstreiks war das Rektorat nicht gewillt, über eine Abschaffung oder erhebliche Senkung der Studiengebühren zu verhandeln, obwohl das eingenommene Geld gebunkert worden ist und sich auf den Konten der Uni verzinst. Auf die Kritik an den Studienbedingungen an der RUB reagiert die Hochschulleitung nach dem alten Muster parlamentarischer Politik: Abschieben der Verantwortung auf übergeordnete Instanzen, vehementes Leugnen und propagieren der eigenen „Erfolge“ als „Reform-Universität“.
Gegenüber dieser Ignoranz hilft nur weiter zu protestieren und die Stimme in den Gremien zu erheben. Konkret braucht es an der RUB eine Abschaffung der Studiengebühren. Solange dies nicht geschieht, wollen wir entscheiden, wohin die Gebühren fließen. Des Weiteren fordert die GHG mehr als nur zaghafte Versuche der Verbesserung der Qualität in der Lehre. Wir brauchen mehr Seminare in kleineren Lerngruppen und wir brauchen eine Lehrstruktur, die selbstbestimmtes Lernen und alternative Lehrformen ermöglicht. Das Leitbild unserer Politik ist hierbei die Befähigung zur kritischen Mündigkeit in einer forschenden Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden.
Gebühren abschaffen!
Das gegeneinander Zuspielen des schwarzen Peters der Bildungspolitik muss ein Ende haben! An dieser Stelle braucht es nicht nur den Druck auf das lokale Rektorat und die professorale Mehrheit im Senat, sondern wir brauchen endlich politische Mehrheiten für Veränderungen. Mit der amtierenden schwarz-gelben Landesregierung ist eine an Selbstbestimmung und Freiheit von Wissenschaft und Forschung orientierte Politik nicht zu erreichen. Minister Pinkwart denunziert lieber streikende Studierende als „linke Krawallmacher“, anstatt mit ihnen in den Dialog zu treten. Die GHG wird alle Einflussmöglichkeiten in der Landespolitik nutzen, um eine Verbesserung der finanziellen Situation der Hochschulen zu erreichen. Für die Abschaffung der sozial selektiven Studiengebühren fordern wir die volle Kompensation.
Freie Bildung von der Kita bis zur Uni!
Auch im Großen und Ganzen braucht es Veränderung, wenn wir unsere Vorstellungen von einem emanzipatorischen, freien und sozial gerechten Bildungssystem durchsetzen wollen. Die GHG streitet gemeinsam mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Gruppen für eine gebührenfreies Bildungsangebot von der Kita bis zur Uni. Wir fordern die Abschaffung der frühen Selektion beim Übergang auf weiterführende Schulen und wollen stattdessen längeres gemeinsames Lernen in gemeinschaftlichen Schulen. Die Ausbildung der LehrerInnen muss auf die veränderten Anforderungen dieses neuen Bildungssystems, wie beispielsweise einem höheren Bedarf an individueller Förderung, eingestellt werden. Bildungspolitik endet nicht am Universitäts- oder Schulausgang, sondern betrifft die gesamte Gesellschaft. Der Bildungsstreik hat gute und wichtige Impulse geben, aber er war lediglich der erste Schritt in die richtige Richtung!
Zwischen dem 18. und dem 22. Januar könnt Ihr jeweils von 9 bis 16 Uhr im Gebäude Eures Erstfachs wählen
gehen und darüber entscheiden, wie sich Eure Studierendenvertretung zusammensetzt.