Bis Juni 2011 ratifizierten zahlreiche Staaten – darunter auch Deutschland – die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Kurz gefasst besagt diese, dass alle Menschenrechte auch für Menschen mit Behinderung gelten und bestehende Hürden abgebaut werden müssen. Bereits 2010 beschloss das Deutsche Studentenwerk einen Umsetzungsplan für die Hochschulen. Was ist seitdem passiert? Das Akademische Förderungswerk (AKAFÖ) gehört deutschlandweit zu den Vorreitern im Bereich der Behindertenberatung, barrierefreier Einrichtungen und Wohnheimplätze für Studierende mit Behinderung. Doch darüber hinaus sieht es düster aus, wenn es um Barrierefreiheit und Inklusion an der Ruhr-Uni geht. Der Campus ist ein Hindernisparkur für Rollstuhlfahrer*innen, die zahlreichen defekten Platten eine gefährliche Stolperfalle für Sehbehinderte. Arbeitsräume oder -plätze für behinderte Studierende werden ausschließlich vom AKAFÖ im Studierendenhaus gestellt. Keine einzige Fakultät verfügt über technische Hilfen für motorisch eingeschränkte, seh- oder hörbehinderte Studis.
Campusmodernisierung als Chance?
Die Campusmodernisierung ist eine einmalige Chance, die Bedingungen massiv zu verbessern. Beim Gebäude ID sind bereits gute Ansätze zu erkennen, aufgrund der fehlenden Kommunikation zwischen der Bauabteilung der Uni und der Behindertenvertretung passierten jedoch zahlreiche unnötige Fehler, die vielen Studierenden das Leben schwer machen. So sind ausgewiesene und ggf. lebenswichtige Rettungswege nicht rollstuhlgerecht. Hier muss die Verwaltung beim weiteren Aus- und Umbau der Uni umsteuern, um eine Uni für alle auch baulich möglich zu machen.
Ein barrierefreier Campus allein reicht nicht aus!
Doch ein barrierefreier Campus ist lediglich eine wichtige Grundvoraussetzung. Noch wichtiger sind die Studienstrukturen selbst. Die verschulten Strukturen, die seit der Bologna- Reform Alltag an der RUB sind, sind besonders für Menschen, die eine intensive medizinische und/oder pflegerische Betreuung benötigen, eine krasse Belastung (siehe das Interview mit Harry Baus). Daher fordern wir die vollständige Abschaffung der Anwesenheitspflichten sowie eine größere Flexibilisierung des Studiums! Denn wer selbstbestimmt leben möchte, möchte auch selbstbestimmt studieren!
Noch bis Freitag finden an der Ruhr-Uni die Wahlen zum Studierendenparlament statt. Wenn Du Dir eine Studierendenvertretung wünschst, die sich für eine barrierefreie Uni und die Inklusion behinderter Studierender einsetzt, dann gib Deine Stimme der Grünen Hochschulgruppe.